Porträt einer Frau, die laut Titel eine Bäuerin ist. Sie blickt rechts aus dem Bild hinaus und trägt eine weiß Haube.

Liebermann und Van Gogh

Die Ausstellung Max Liebermann und Vincent van Gogh in der Liebermann-Villa will die verpasste Begegnung beider Künstler nachholen und ihre Werke aus den genannten Jahren im Dialog zeigen. Sie umfasst insgesamt rund vierzig Werke beider Künstler, Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde, die anschaulich machen, warum sich Van Gogh für den deutschen Kollegen interessierte. Ziel ist es dabei sowohl die Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede herauszuarbeiten, die sich in der Darstellung der ländlichen Arbeit erkennen lässt. Denn während Liebermann das ländliche Leben als sozial intakte Lebenswelt erlebt, legt Van Gogh immer wieder das Elend der Verhältnisse offen.

Die Ausstellung trägt dazu bei, die damaligen wechselseitigen deutsch-niederländischen Kunstbeziehungen aufzuzeigen und nimmt das erste Mal Schnittstellen im Werk zweier Künstler in den Blick, die bisher wenig Beachtung gefunden haben.

 

Über die Ausstellung

Fast hätten sich die beiden Künstler Max Liebermann und Vincent van Gogh in der niederländischen Provinz Drenthe getroffen. Über vierzig Jahre, beginnend mit 1872, fuhr Liebermann fast jeden Sommer in seine „Malheimat“ Holland, wo er in Orten wie Zandvoort, Katwijk, Laren oder Zweelo die entscheidenden Motive für sein künstlerisches Werk fand. Angeregt durch die alten Niederländer Jacob van Ruysdael und Meindert Hobbema malte er hier Szenen des alltäglichen Lebens: Handwerker, Bauern und Waisenmädchen. Zu diesen Werken gehörte auch das Gemälde „Die Bleiche“ (Wallraf-Richartz Museum, Köln), das einen großen Obstgarten mit ausgebreiteten weißen Laken zeigt. Dieses Gemälde markiert den entscheidenden Berührungspunkt zwischen Liebermann und Van Gogh, denn als es Liebermann 1883 auf dem Pariser Salon ausstellte, wurde Van Gogh auf den deutschen Kollegen aufmerksam. Vermutlich kannte er die Abbildung, die im Katalog des Salons reproduziert war.

Vincent van Gogh stand zu diesem Zeitpunkt noch ganz am Anfang seiner künstlerischen Entwicklung und war mit Studien nach ländlichen Motiven beschäftigt, die ihn auch nach Drenthe führten. Sein Bruder hatte ihm von den Motiven und vom Kolorit der Bilder berichtet, die Liebermann in der Gegend gemalt habe. „ …angesichts der hiesigen Natur begreife ich vollkommen, wie er [Liebermann] vernünftigerweise dazu kommt“, schreibt Van Gogh in dem erwähnten Brief.

Es gibt noch zahlreiche andere Werke, in denen sich die beiden Künstler in den Jahren 1883-1885 stofflich und motivisch sehr nahe sind; so zum Beispiel auch das Motiv der Weber, auf das Liebermann ebenfalls in Zweelo aufmerksam wurde. In der Weberstube eines örtlichen Webers entstand das große Gemälde „Der Weber“, das sich heute in der Sammlung des Städel Museums in Frankfurt befindet. Auch Van Gogh war an dem Motiv sehr interessiert und beschäftigte sich intensiv damit, nachdem er 1883 nach Nuenen umgezogen war.

So gibt es in den Jahren 1882-1885 viele thematische Berührungspunkte zwischen Liebermann und Van Gogh. Weitere wichtige Gemeinsamkeiten sind die Verbundenheit mit Holland, die Verbindung zur Haager Schuler, die innige Beziehung zur Natur, die alten holländischen Meister und die Verehrung für die Maler von Barbizon. Dennoch haben sich die beiden Künstler seinerzeit nicht persönlich kennen gelernt.

Bildnachweis

Vincent van Gogh, Kopf einer Bäuerin, 1885, Sammlung E. G. Bührle, Zürich