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Monte Oliveto

Italien am Wannsee! Ein Blick in die „italienische“ Ausstellung der Liebermann-Villa

Mit dem Ausstellungsprojekt „Max Liebermann in Italien“ widmen sich die Liebermann-Villa am Wannsee und ihr Kooperationspartner, das Museum Casa di Goethe in Rom, einem gänzlich unerforschten Thema, das neue Perspektiven auf einen der bedeutendsten Künstler Berlins eröffnet.[1] Während die Ausstellung „Auf nach Italien! Mit Liebermann in Venedig, Florenz und Rom“ in der Liebermann-Villa (4. Mai bis 2. September 2024) einen ersten Blick auf Liebermanns Verbindungen zu Italien wirft, präsentiert die zweite Schau „Max Liebermann. Ein Impressionist aus Berlin“ (20. September bis 9. Februar 2025) im Museum Casa die Goethe erstmalig das Leben und Werk des deutsch-jüdischen Künstlers einem italienischen Publikum. Im Fokus des Ausstellungsprojekts stehen sowohl Liebermanns Werke mit italienischem Motiv als auch jene Arbeiten, die heute in prominenten italienischen Museen in Florenz, Mailand, Triest und Venedig aufbewahrt sind.

Italienische Spuren in Liebermanns Werk

Was verbindet Max Liebermann mit Italien? Mit dieser Frage begeben uns auf ein so spannendes wie wenig bekanntes Terrain, das in der Liebermann-Forschung bislang unbeachtet blieb. Über Jahrzehnte waren Frankreich und vor allem die Niederlande bevorzugte Reiseziele und bedeutende Inspirationsquellen des Berliner Malers. Anders als seine deutschsprachigen Künstlerkolleg*innen der älteren Generation vermied Liebermann lange Zeit die obligate Bildungsreise nach Italien. So lassen einige seiner Äußerungen auf eine zuweilen ablehnende Haltung gegenüber Italien schließen: Anfang der 1890er Jahre beschrieb er sich sogar als „verhärteten Anti-Italiener“[2] und bezeichnete 1900 Italien als „zu pittoresk“[3] im Vergleich zu seiner „Malheimat“ Holland. Insofern ist es nicht erstaunlich, wenn Erich Hancke in seiner Liebermann-Monografie über das Verhältnis zu Italien schrieb: „Dem durchaus nordisch empfindenden Künstler fehlte der Sinn, sowohl für die Natur, als auch für die Kunst des Landes.“[4]

Doch diese Zitate schmälern die eigentliche Bedeutung Italiens für Liebermann. Zwischen 1878 und 1913 unternahm der Maler mindestens sechs Reisen nach Italien. Vor Ort trat er in Kontakt mit der italienischen Kunstszene und fand durchaus Inspiration für die eigenen Werke. Er griff zahlreiche italienische Motive in seinen Arbeiten auf und beteiligte sich an internationalen Ausstellungen im Königreich Italien. Außerdem fanden seine Werke Eingang in italienische Museen – 1908 beauftragte ihn die Direktion der Uffizien, ein Selbstbildnis für seine renommierte Sammlung von Künstler*innenporträts anzufertigen.

Max Liebermann, Selbstbildnis an der Staffelei nach rechts, 1908, Gallerie degli Uffizi, Florenz © Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi

Venedig

Anhand eines chronologischen und geografischen Erzählungsstrangs nimmt die Berliner Ausstellung Liebermanns wichtigste Reisestationen in Venedig, Florenz und Rom in den Blick.  Seine erste Italienreise führte ihn im Alter von 31 Jahren nach Venedig. Während dieses zweimonatigen Aufenthalts entstanden zahlreiche Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen, die allerdings nicht die typischen Veduten des Markusplatz oder des Canal Grande abbilden, sondern alltägliche Szene in den Gassen darstellen.

Max Liebermann, Gasse in Venedig, 1878, Hamburger Kunsthalle © Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Christoph Irrgang

Ab 1895 wurde die Lagunenstadt durch die Erste Internationale Kunstausstellung der Stadt Venedig zu einem Dreh- und Angelpunkt für Kunstinteressierte aus aller Welt. Liebermann unterstützte das venezianische Großprojekt von Anfang an: Er gehörte dem internationalen Patronatskomitee an und präsentierte seine Werke auf insgesamt acht Biennalen. Im Zuge der zweiten Biennale im Jahr 1897 wurde Liebermanns Gemälde Brabanter Spitzenklöpplerinnen der Galleria Internazionale d’Arte Moderna in Venedig geschenkt – das erste Liebermann-Werk, das in die Sammlung eines italienischen Museums einging.

Florenz und Rom

Liebermann überquerte die Alpen erst im Frühling 1893 ein zweites Mal. Ab Mitte April verbrachte er in diesem Jahr mehrere Wochen mit seiner Frau Martha und seiner siebenjährigen Tochter Käthe in Florenz. Gemeinsam besichtigten sie die Sehenswürdigkeiten und Kunstsammlungen der Stadt. Zurück in seinem Berliner Atelier malte Liebermann Ende Mai die Werkstatt eines Tuchwalkers in Florenz. Neun Jahre später, Mitte September 1902, begab sich Liebermann wieder in Begleitung seiner Familie auf eine dritte Italienreise. Von seinem Zimmer im Grand Hôtel de la Ville an der Piazza Manin (heute Piazza Ognissanti) aus fing er die Aussicht auf die Dächer von Florenz ein. Diese Pastelle gehören heutzutage zu Liebermanns impressionistischen Hauptwerken.

Monte Oliveto

Max Liebermann, Monte Oliveto Florenz (Dächer in Florenz), 1902, Pastell auf Papier, Privatbesitz, Foto Christoph Irrgang, Hamburg

Im Oktober 1902 besuchten die Liebermanns zum ersten Mal die Ewige Stadt. In der Galleria Doria Pamphilj sah der Maler das Velázquez-Porträt von Papst Innozenz X., im Vatikan besichtigte er den Petersdom und den Apostolischen Palast mit den Vatikanischen Sammlungen. In der Sixtinischen Kapelle beobachtete er den Empfang einer ekstatischen, herandrängenden Pilgergruppe durch Papst Leo XIII. Dieses Motiv skizzierte Liebermann direkt vor Ort., bis er es später in einem großformatigen Gemälde ausführte.

1911 reiste Liebermann mit seiner Familie ein zweites Mal in die italienische Hauptstadt. Anlass war die Esposizione Internazionale di Roma, eine Ausstellung zum 50. Jahrestag der Einigung Italiens, auf der Liebermann mit zahlreichen Werken im Deutschen Pavillon vertreten war. Der Ausblick von der Terrasse des Monte Pincio über Rom bot Inspiration für das Bildmotiv Corso auf dem Monte Pincio. Dieses Sujet wiederholte Liebermann bis etwa 1932 in mehreren Bildkompositionen in Öl und Druckgrafik.

Monte Pincio

Max Liebermann, Corso auf dem Monte Pincio in Rom, 1930–1932, Privatbesitz © Grisebach GmbH

Auf dieser Reise besuchte Liebermann vermutlich die nördlich von Rom gelegene Villa der Livia bei Prima Porta. Dort bewunderte er das um 40–20 v. Chr. antike Wandbild eines idyllischen Gartens mit blühenden Pflanzen, bunten Vögeln und Früchte tragenden Bäumen. Liebermann war tief beeindruckt. Zurück am Wannsee machte er sich im Sommer 1911 sofort an die Arbeit und schuf in seiner Loggia eine eigene Interpretation, die bis heute in Teilen erhalten ist. 1913 reiste Liebermann ein letztes Mal nach Italien und erreichte im April erstmalig Neapel, den südlichsten Ort auf der italienischen Halbinsel, den er je betreten sollte. Auch wenn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs seinen Italienreisen ein jähes Ende setzte, blieb er weiterhin in regem Austausch mit der italienischen Kunstszene, dank seiner Beteiligung an internationalen Kunstausstellungen.

Max Liebermann

Max Liebermann vor der Loggia, 1914 Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V.

Mehr über den künstlerischen Austausch und die gegenseitige Wertschätzung zwischen Liebermann und seinen italienischen Zeitgenoss*innen – darunter der Triester Maler Umberto Veruda und die Mailänder Kunstkritiker Vittorio Pica und Guido Lodovico Luzzatto – können Sie anhand von Kunstwerken, Fotografien und Schriftstücke in unserer Ausstellung erfahren.

 

[1] Max Liebermanns biografische, künstlerische und kulturpolitische Beziehungen zu Italien sind Gegenstand meines laufenden Dissertationsprojekts an der Universität Heidelberg. Mehr Informationen zur Ausstellungen finden Sie im begleitenden Publikation Lucy Wasensteiner, Alice Cazzola, Gregor H. Lersch (Hrsg.), Max Liebermann in Italien/Max Liebermann in Italia, Ausst.-Kat. Liebermann-Villa am Wannsee Berlin und Museum Casa di Goethe Rom 2024–2025, Berlin 2025.
[2] Max Liebermann, Brief an Anna Liebermann, vor dem 17. Mai 1893, zitiert nach Ernst Braun (Hrsg.), Max Liebermann: Briefe. 1869–1895, Schriftenreihe der Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V., Bd. 1, Baden-Baden 2011, S. 285–286.
[3] Max Liebermann, Jozef Israels [sic], in: Zeitschrift für bildende Kunst, NF, Jg. 12, Nr. 1, Oktober 1900, S. 145–156, hier S. 154–155
[4] Erich Hancke, Max Liebermann. Sein Leben und seine Werke, Berlin 1914, S. 129.

Nahansicht des Nachlasstempels MLiebermann auf der Leinwand eines Kuntwerks.

Tag der Provenienzforschung 2024

Neues Video zum „St. Adriansschützen“ von Max Liebermann und der aktuellen Ausstellung „Im Fokus. Martha, Käthe und Maria“

Ein Mann und eine Frau im Profil und Dreiviertel-Profil dargestellt. Der Mann trägt einen Anzug in einem Grünton, darunter ein helles Hemd. Seine Haare sind dunkel und zurückgekemmt. Er wendet sich der Frau zu seiner Linken zu, sein Gesicht ist dunkel schattiert. Das Gesicht der Frau ist nur leicht schattiert und wirkt viel heller. Sie hat rote Haare, die sie in einer Hochsteckfrisur trägt. Ihr Blick geht ins Off des Bildes. Sie trägt eine dunkelblaue Oberbekleidung. Das Bild ist in einem expressionistischen Stil mit breiten Pinselstrichen und hohen Kontrasten gemalt. Der Hintergrund ist schlicht und heller mit violetten, gelben und grünen Elementen.

Käte Perls

Galeristin und Wegbereiterin der Europäischen Moderne in den USA

Wenn Bilder sprechen

Grußwort der Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth zur Eröffnung

Auf einer Staffelei steht eine Papierarbeit von Max Liebermann, die von einem Fotografen im Vordergrund abfotografiert wird

Mind the Gap

Provenienzrecherchen zu druckgrafischen Arbeiten von Max Liebermann. Ein kurzer Einblick

London 1938

Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler

London 1938

Wiener Library eröffnet dokumentarische Station der Ausstellung in London

Zum 83. Todestag von Max Liebermann

 

Heute vor 83 Jahren, am 8. Februar 1935, starb Max Liebermann im Alter von 87 Jahren in seinem Wohnhaus am Pariser Platz.

In Zusammenhang mit den Vorbereitungen für die Herbstausstellung der Liebermann-Villa „ London 1938“ wird immer deutlicher, wie wichtig es für den hochbetagten Max Liebermann nach 1933 war, im Ausland ausgestellt und gewürdigt zu werden.

Schon 1933 hatten die Nationalsozialisten alle jüdischen Mitglieder aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen; 1934 wurden alle jüdischen Künstler aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen, was eine Beteiligung am deutschen Kulturbetrieb unmöglich machte. Auch um den sonst gesellschaftlich so eingebundenen Max Liebermann wurde es ruhig. Man mied ihn und seine Werke verschwanden nach und nach aus den öffentlichen Sammlungen.

Deshalb war Liebermann sehr gerührt, als der Direktor des Royal College of Art, Sir William Rothenstein, für die Leicester Galleries in London eine Liebermann-Ausstellung organisierte. Hocherfreut schrieb er nach London:

„Ihr Brief hat mich ausserordentlich erfreut, denn er bestätigte mir (was mir bereits Herr Flechtheim gesagt u geschrieben hatte), daß Sie mir in Ihren freundschaftlichen Gesinnungen treu, wie seit vielen Jahrzehnten, geblieben sind. Wie dankbar ich Ihnen für das opferwillige Interresse, mit dem Sie sich meiner Ausstellung in den Leicester Galleries angenommen haben, bin, kann ich Ihnen nicht sagen. Ohne Sie wäre die Sache einfach unmöglich gewesen, ja sogar bis Juli 1932 hätte auch der »phantasievollste« Kunsthändler kaum daran gedacht, einen Fünf und Achtzigjährigen in London in einer Ausstellung zu zeigen.“

Wie wichtig für Liebermann die Ausstellung in den Leicester Galleries in den letzten Monaten seines Lebens war, geht aus einem Brief hervor, den er nur zwei Wochen vor seinem Tod, am 14. Januar 1935, seiner Frau Martha an Sir William Rothenstein diktierte:

„Seit nunmehr zwei Monaten verhindert mich eine Grippe und deren Folgen Ihnen selbst meinen Dank für Ihre freundliche Hilfe und Sorge für meine Londoner Ausstellung zu sagen, an deren Erfolg Sie so großen Anteil haben.
Ich wartete von Woche zu Woche auf Besserung, und muß nun doch, da die Zeit weiter fortschreitet, mich zu meinem Dank der Hand meiner Frau bedienen. Ohne die Freude und Genugtuung die mir Ihre Freundschaft und[sic] die Collegialität der englischen Künstler bereitet haben, hätte ich diese schreckliche Zeit der Krankheit wohl nicht überstanden.“

Der Ankauf seines Selbstporträts von 1934 durch Lord Marks und die Schenkung an die Tate Gallery waren für den in Deutschland boykottierten Künstler eine wichtige Anerkennung in seinen letzten Lebenstagen.

 

 

Die Ausstellung “London 1938. Mit Kandinsky, Liebermann und Nolde gegen Hitler” ist vom 7. Oktober 2018 – 14. Januar 2019 in der Liebermann-Villa zu sehen.