Auf dem Schwarzweißfoto sehen wir Renée Sintenis mit Bubikopf und maskulin anmutender, ärmelloser Kleidung. Ihr markantes Profil ist nach rechts geneigt, ihre Haltung leicht nach vorn. Sie stützt sich auf ihre Ellenbogen und hat eine noch qualmenden Zigarette in der Hand.

Gerty Simon. Berlin / London

Eine Fotografin im Exil

Über 350 großformatige Silbergelatineabzüge, Briefe, Ausstellungseinladungen und Presseberichte – das Archiv der in Vergessenheit geratenen deutsch-jüdischen Fotografin Gerty Simon (1887-1970) ist ein beachtliches Konvolut der Wiener Holocaust Library. Es zeugt von ihrem Karriereanfang, ihren vielen Erfolgen im Berlin der 1920er Jahre bis hin zur nationalsozialistischen Machtergreifung und Gerty Simons Emigration nach England. Mit der ersten Ausstellung 2021 bringt die Liebermann-Villa Gerty Simons Werke nach über 90 Jahren zurück nach Berlin und lässt die Erinnerung an die „Lichtbildkünstlerin“ wieder aufleben.

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Über die Ausstellung

Die Wiener Holocaust Library in London ist weltweit die älteste Institution zur Dokumentation der NS-Herrschaft und ihrer Verbrechen. Im Jahr 2016 erhielt die Bibliothek das Privatarchiv des verstorbenen Geschäftsmannes Bernd Simon (1921–2015). Bernd Simon stammte aus einer jüdischen Familie in Berlin und emigrierte während der 1930er Jahre mit seiner Mutter nach Großbritannien. In diesem Nachlass entdeckte das Team der Wiener Holocaust Library das fast vollständige Archiv der Fotografin Gerty Simon (1888–1970), der Mutter von Bernd Simon.

Dieser beachtliche Fund, bestehend aus 350 originalen Silbergelatineabzügen dazu Ausstellungskatalogen, Einladungen und Zeitungsausschnitten bezeugt Gerty Simons erfolgreiche Karriere hinter der Kamera. Die auf den Werken abgebildeten Personen konnten sofort erkannt werden: dazu zählen berühmte deutsche Persönlichkeiten wie die Physiker Albert Einstein und Max Planck, sowie die Künstler*innen Käthe Kollwitz und Max Liebermann neben britischen Persönlichkeiten wie der Schauspielerin Peggy Ashcroft oder dem Politiker Aneurin Bevan.

2019 veranstaltete die Wiener Holocaust Library die erste Ausstellung von Gerty Simons Fotografien seit ihrem Tod 1970. Als Fortführung dieser erfolgreichen Londoner Präsentation stellt die Liebermann-Villa Gerty Simon dem Berliner Publikum vor. Ausgehend von Gerty Simons Fotoporträt von 1929 von Max Liebermann erfahren Besucher*innen mehr über die bemerkenswerte deutsch-jüdische Fotografin: von ihren Karriereanfängen in Berlin der 1920er Jahre, über eine erfolgreiche Karriere als Porträtfotografin, der darauffolgenden Verfolgung, das Exil, und ihre anschließende Zeit in Großbritannien.

Highlights

Die Abbildung zeigt ein Selbstporträt der Fotografin Gerty Simon. Ihr Kopf ist im Profil geneigt und wird durch eine von links kommende Lichtquelle angestrahlt. Ihr kurzes Haar liegt ihr in voluminösen Wellen am Kopf.
Gerty Simon, Selbstporträt, um 1934, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections
Diese Fotografie zeigt Max Liebermann in einem Sessel sitzend, nachdenklich den Kopf aufstützend. Er trägt seinen weißen Malkittel, darunter Hemd und Schlips und eine Weste mit Anstecknadeln, aus dessen Tasche die Kette einer Uhr hervorragt.
Gerty Simon, Porträt Max Liebermann, 1929, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections
Eine Rezension der „Geistiges Berlin, Geistiges Paris“-Ausstellung zeigt einige der von Gerty Simon fotografierten Berliner Köpfe.
Gerty Simon, Berliner Köpfe, 1929, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections
Das Foto zeigt Käthe Kollwitz im weißen Kittel, sitzend und mit verschränkten Händen auf eine Lehne gestützt. Sie schaut direkt in die Kamera.
Gerty Simon, Porträt Käthe Kollwitz, um 1929, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections
Auf dem Porträt ist Alfred Flechtheims markantes Gesicht im Profil zu sehen. Die Details seiner Physiognomie stechen im Kontrast zu dem dunklen Hintergrund stark hervor.
Gerty Simon, Porträt Alfred Flechtheim, 1934-1935, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections

Publikation

Begleitend zur Sonderausstellung ist der englischsprachige Katalog der Wiener Holocaust Library mit zahlreichen Fotografien der deutsch-jüdischen Fotografin jetzt im Museumsshop erhältlich.

Berlin–London
The Lost Photographs of Gerty Simon
Hrsg.: Barbara Warnock/John March
€ 22,00

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Auf dem Schwarzweißfoto sehen wir Renée Sintenis mit Bubikopf und maskulin anmutender, ärmelloser Kleidung. Ihr markantes Profil ist nach rechts geneigt, ihre Haltung leicht nach vorn. Sie stützt sich auf ihre Ellenbogen und hat eine noch qualmenden Zigarette in der Hand.

Begleitprogramm

  • Lesung & Gespräch

Vergessene Künstler*innen

Dr. Lucy Wasensteiner im Gespräch mit Janine Mackenroth (Künstlerin und Autorin) und Tanja Wagner (Galeristin)

Alle Veranstaltungen anzeigen

Vermittlung

Der Blick geht auf die seeseitige Fassade der Liebermann-Villa mit gelb und violett blühenden Beeten davor.
© sevens[+]maltry, Potsdam

Öffentliche Führungen

Zum Eröffnungsmonat unserer Gerty-Simon-Ausstellung laden wir Sie täglich um 14 Uhr zu einer kostenfreien Führung im Garten der Liebermann-Villa ein. Karten sind am Tag der Führung vor Ort an der Kasse verfügbar. Den Museumseintritt zahlen Sie ebenfalls an der Kasse oder bereits online.

Die Teilnahmezahl ist auf 15 Personen begrenzt.
Die Führungen finden bei jedem Wetter statt.

Die Tänzerin Lotte Goslar ist in einer verrenkten Körperposition zu sehen. Sie lehnt nach hinten, ihre Arme schwingen dabei nach vorn. Passend zu ihrem dunklen Haar trägt sie ein schwarzes, langes Kleid.
Gerty Simon, Porträt Lotte Goslar, 1925-1933, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections

FOTOWORKSHOPS

In Zusammenarbeit mit der Fotografin und Kunstvermittlerin Hanna Mattes bieten wir drei Fotoworkshops für Kinder und Jugendliche an. Die zweistündigen Workshops greifen Gerty Simons Porträts auf und lassen die Teilnehmenden eigene Bilder abseits vom typischen Selfie schaffen.

22. Juli 2021, 11 bis 13 Uhr
Zur Anmeldung

29. Juli 2021, 11 bis 13 Uhr
Zur Anmeldung

Digitale Angebote

Schwarzweißfotografie von zwei jungen Frauen, die eng aneinander stehen und nach unten blicken.
Gerty Simon, Porträt von zwei unbekannten Frauen, nach 1920, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections

FINDING GERTY

Die Wiener Holocaust Library braucht Hilfe, um die Namen und Identitäten von rund 70 unbekannten Personen zu ermitteln, die unter den rund 300 Porträts der Gerty Simon-Sammlung zu finden sind. Die Porträts können auf einer Flickr-Seite durchsucht und mit Hinweisen kommentiert werden. Zum Flickr-Album

Diese Fotografie zeigt Max Liebermann in einem Sessel sitzend, nachdenklich den Kopf aufstützend. Er trägt seinen weißen Malkittel, darunter Hemd und Schlips und eine Weste mit Anstecknadeln, aus dessen Tasche die Kette einer Uhr hervorragt.
Gerty Simon, Porträt Max Liebermann, 1929, © The Bernard Simon Collection, Wiener Holocaust Library Collections

AUDIOGUIDE

Mit unserem Audioguide können Sie ganz bequem von zu Hause oder in der Ausstellung mehr über Gerty Simon, ihre Karriere und Modelle erfahren. Einfach über das eigene Smartphone oder Browsergerät nutzen. Zum Audioguide

UMSETZUNG

Kuratorin: Dr. Lucy Wasensteiner
Kuratorische Assistenz: Viktoria Bernadette Krieger
Presse, Kommunikation und Marketing: Miriam Barnitz
Studentische Hilfskraft: Wanda Pösselt
Konservatorische Betreuung: Grit Jehmlich, Oliver Max Wenske
Design & Ausstellungsgrafik: Ta-Trung, Berlin
Museumsshop: Dina Schlote
Finanzbuchhaltung: Hildegard Findeklee
Mitgliederbetreuung: Dania Uwa-Seget
Besucherdienst: Barbara Stursberg
Haustechnik: Tom Pauling und Frank Steffen

PARTNER & FÖRDERUNG